Das neue World Handicap System

Alles, was Sie darüber wissen müssen

Die (Golf-)Welt wird ein immer kleinerer Ort. Was liegt da näher als die sechs unterschiedlichen länderspezifischen Handicap- bzw. Vorgabensysteme zu vereinheitlichen. Die USGA (United States Golf Association) und die R&A haben in Zusammenarbeit mit den entsprechenden internationalen Organisationen das World Handicap System (WHS) entwickelt, um die Spielstärke aller Golfer weltweit auf einfache und faire Weise miteinander vergleichen zu können. So sollen Spieler verschiedener Spielstärke auf jedem Golfplatz weltweit spielen und gegeneinander in Turnieren antreten können.

Das World Handicap System ersetzt alle sechs existierenden Vorgaben-Systeme weltweit

Das World Handicap System ähnelt in seiner Charakteristik stark dem jetzigen Handicap-System der USGA. Entsprechend ist die Umstellung in den USA unproblematisch, während Europa sich auf einige Änderungen einstellen muss. Das Grundprinzip ist zwar relativ einfach, die letzten Details für den Übergang vom in Deutschland gültigen EGA-Vorgabensystems zum WHS wurden jedoch erst kürzlich vom DGV geklärt. Dennoch möchten wir an dieser Stelle versuchen, die meisten Fragen zu erörtern und etwas mehr Klarheit in die Situation zu bringen. Die Einführung steht nun unmittelbar bevor und die meisten alten Handicaps sind bereits in neue World Handicap Indizes konvertiert. Dadurch ergibt sich für viele Golfer die erste Frage:

Wie lautet mein neuer World Handicap Index?

Am schnellsten erfahren Sie Ihren WHI indem Sie sich auf www.golf-dgv.de über Verimi mit Ihrem DGV-Ausweis registrieren. Nach erfolgreicher Registirierung wird Ihr WHI angezeigt. Sollten Sie damit Probleme haben, können Sie Ihren Handicap Index auch bei den Mitarbeitern Ihrer Golfanlage erfragen.

Wie funktioniert die Konvertierung der EGA-Spielvorgabe in den World Handicap Index?

Es gibt keine Formel, die aus einer EGA-Vorgabe einen WHI machen kann, da die Berechnungsgrundlagen in beiden Systemen völlig unterschiedlich sind. Der WHI wird also nicht einfach umgerechnet, sondern komplett neu berechnet.

Alle Details zur Konvertierung finden Sie hier...


Die Änderungen im Überblick

Die Errechnung des Handicaps erfolgt beim WHS nach dem Durchschnitt der letzten maximal 20 vorgabenwirksamen Runden der letzten vier Jahre, oder weniger, wenn ein Spieler noch nicht so viele gespielt hat. Hierbei brauchen Spieler mindestens ein „Handicap-relevantes“ (vorgabenwirksames) Ergebnis, damit sie ein Handicap erhalten. Der zur Berechnung herangezogene Index orientiert sich bei 20 Ergebnissen an den acht besten Scores. Liegen weniger Ergebnisse vor, ist auch die Anzahl der gewerteten Ergebnisse kleiner (s. weiter unten).

 

Das entfälltDas kommt neu
Incremental System
(schrittweise Hcp-Fortschreibung)
Average System
(Berechnung des Durchschnitts)
EGA-VorgabeWorld Handicap Index
Vorgabenklassen / Pufferzonen / Herab- und Heraufsetzungsmultiplikanden---
EDS-Runden nicht in Vorgabenklasse 1Registrierte Privatrunden mit Vorabregistrierung (wie EDS) für alle Spieler – Dies gilt in Deutschland bereits!
„9 Löcher vorgabenwirksam“ nicht in Vorgabenklasse 1 „9 Löcher handicaprelevant“ für alle Spieler – Dies gilt in Deutschland bereits!
Entscheidung, ob Turnier vorgabenwirksamTurniere generell handicaprelevant
--- Course Rating kann bei schlechtem Wetter angepasst werden



Das bleibt erhalten
Handicaps bis 54
Keine automatische Heraufsetzung bei Vorgaben > 26,5
Course Rating (CR- und Slope-Wert)
9 Löcher vorgabenwirksam
Privatrunden nur nach vorheriger Anmeldung vorgabenwirksam (EDS)
Handicaprelevante Spielformate (Zählspiel, Stableford, Maximum Score, Par/Bogey)


Der höchste Score,
den ein Spieler sich beim WHS für die Handicapberechnung pro Loch verbuchen lassen darf, ist ein Netto-Doublebogey – also 2 Schläge mehr als man gemäß seinem Handicap für das jeweilige Loch benötigen sollte. Für die Turnierwertung zählt natürlich im Zählspiel immer noch jeder gespielte Schlag. Handicaps werden täglich aktualisiert, was bei uns auch schon immer so war.

Weitere Faktoren bei der Berechnung sind das Course Rating (Schwierigkeitsgrad des Platzes) und der Slope (Werte zur Umrechnung des HCP in das Playing Handicap) des Golfplatze.


Wie wird der WHI ermittelt, wenn ein Spieler weniger als 20 Score Differentials vorweisen kann?

Hat ein Spieler – vor allem zu Beginn seiner Golflaufbahn – nur wenige Spielergebnisse in seinem Stammblatt, wird der WHI trotzdem auf der Basis dieser Score Differentials berechnet. Für die Berechnung wurde folgende Vorgehensweise festgelegt

 

Anzahl Ergebnisse
im Stammblatt
Berechnung des WHI/Gewertete Score DifferentialsAnpassung
1 - 3Das niedrigste Ergebnis bestimmt den WHI-2,0
4Das niedrigste Ergebnis bestimmt den WHI-1,0
5Das niedrigste Ergebnis bestimmt den WHIkeine
6Durchschnitt aus den besten 2-1,0
7 - 8Durchschnitt aus den besten 2keine
9 - 11Durchschnitt aus den besten 3keine
12 - 14Durchschnitt aus den besten 4keine
15 - 16Durchschnitt aus den besten 5keine
17 - 18Durchschnitt aus den besten 6keine
19Durchschnitt aus den besten 7keine
20Durchschnitt aus den besten 8keine


Das WHS legt mehr Wert auf die gegenwärtige Spielstärke als auf historische Leistungen. In Deutschland werden nur die Ergebnisse der letzten vier Jahre für die Berechnung herangezogen. Ergebnisse vor dem 1. Januar 2017 finden im Allgemeinen keine Berücksichtigung bei der neuen Berechnung oder Konvertierung. Ältere Daten finden nur dann Berücksichtigung, wenn dies notwendig ist, um auf 20 Ergebnisse zu kommen. Ein großer Anteil der Spieler kann aus den letzten vier Jahren nur weniger als 20 Ergebnisse vorweisen. In solchen Fällen wird die aktuelle EGA-Vorgabe sog. Ankerergebnis zu den anderen Ergebnissen ergänzt, so dass (gerade bei wenigen Ergebnissen wichtig) keine zu gravierende Abweichung des Handicap Index im Verhältnis zur EGA-Vorgabe vorkommt. Dieses bleibt für die folgenden 20 Runden im Stammblatt erhalten und findet Berücksichtigung bei der Berechnung des WHI.

Gibt es weitere Neuerungen bei der Handicap-Ermittlung?

Auf zwei Neuerungen möchten wir an dieser Stelle hinweisen:

1. Außergwöhnliches Ergebnis
Wird ein Ergebnis eingereicht, das wesentlich besser ist, als das aktuelle Handicap des Spielers zum Zeitpunkt der gespielten Runden, wird der Handicap-Index zusätzlich um ein bis zwei Schläge nach unten korrigiert. Dies soll dabei helfen, das Handicap dem aktuellen Spielpotential de Golfers schneller anzupassen.

Anzahl Schläge, um die der Score Differential niedriger ist, als der Handicap Index des SpielersKorrektur für außergewöhnliches Ergebnis
7,0 - 9,9-1,0
10,0 und mehr-2,0

2. Cap
Damit der Handicap-Index aufgrund von einzelnen schlechten Ergebnissen nicht zu schnell ansteigt, wird der Anstieg gegenüber dem Low Handicap-Index der letzten 365 Tage begrenzt bzw. reduziert. Beim Cap-Verfahren gibt es zwei Schwellenwerte:

  • Soft Cap: Reduziert den Anstieg des Handicap-Index um die Hälfte, wenn dieser im Laufe eines Jahres um drei Schläge gegenüber seinem Low Handicap-Index angestiegen ist.
  • Hard Cap: Verhindert den Anstieg des Handicap-Index, wenn dieser im Laufe eines Jahres um fünf Schläge gegenüber seinem Low Handicap-Index angestiegen ist.


Die Handicap-Berechnung erfolgt also ohne Stableford-Punkte, zählen dann zukünftig alle Schläge?

Das World Handicap System sieht bei der Berechnung vor, dass gestrichene Löcher bzw. Löcher mit einem sehr hohen Score maximal mit einem Netto-Double-Bogey gewertet werden (s. oben). Das bedeutet übrigens weiterhin, dass der Ball aufgehoben und das Loch gestrichen werden kann, wenn kein Netto-Double-Bogey mehr erzielt werden kann und das Spielformat es zulässt (im Zählspiel werden bspw. Löcher immer zu Ende gespielt).


Gibt es dann keine Stableford-Turniere mehr?

Es wird weiterhin Turniere mit Berechnung der Stableford-Punkte zur Ermittlung der Turnier-Sieger bzw. der Turnier-Rangliste geben. Jedoch spielen die erzielten Stableford-Punkte für die Berechnnung des Handicaps keine Rolle mehr. Das Handicap wird wie oben beschrieben ermittelt.


Wie werden 9-Loch-Runden gewertet?

Wie bisher auch, werden bei Handicap-relevanten 9-Loch-Runden die für eine 18-Loch-Runde fehlenden Löcher hochgerechnet. Dies geschieht wie folgt:

  • Das Ergebnis der neun Löcher wird ermittelt
  • Nun werden die neun Netto-Pars (s. Glossar) für die gespielten Bahnen kalkuliert.
  • Zum gespielten Ergebnis wird die Summe der kalkulierten Netto-Pars sowie ein zusätzlicher Schlag dazu addiert. Dies ist das gewertete Brutto-Ergebnis.
  • Nun wird die Formel zur Berechnung des Score Differential angewandt (siehe weiter oben).


Was passiert bei abgebrochenen Runden?

Wird eine Runde vorzeitig beendet, entscheidet die Spielleitung, wie zu verfahren ist. Wurden mindestens 9-Löcher gespielt, können die Ergebnisse zur Handicap-Berechnung herangezogen werden. Um Handicap-schonendes Abbrechen bei schlechten Zwischenständen zu unterbinden, kann die Spielleitung einen Penalty Score (s. Glossar) vergeben.

Eine Beispielrechnung zum Bestimmen des World Handicap Index (WHI)

Die Basis für die Berechnung des Handicap-Index ist der so genannte Differenz-Score (Score Differential). Dieser ergibt sich aus dem Spielergebnis, dem Slope, dem Course-Rating des Platzes und dem Standard-Slope von 113. Die Formel ist der für die bisherige Spielvorgabe ähnlich:

Als Beispiel nehmen wir einen Par 72 Platz, mit einem Course-Rating von 71.5, einem Slope von 125 und ein gewerteten Bruttoergebnis von 96 Schlägen. Daraus ergibt sich folgende Berechnung:

Das Ergebnis wird auf eine Nachkommastelle gerundet, der Score Differential in unserem Beispiel beträgt also 22,2. Die letzten 20 Score Differentials werden zur Ermittlung herangezogen, wobei nur die besten acht Ergebnisse in die Berechnung eingehen. Der World Handicap Index (WHI) entspricht dem Durchschnitt dieser acht besten Ergebnisse.

Nehmen wir nun an, dass die acht besten Ergebnisse folgende waren: 22,2 / 24,8 / 23,7 / 20,5 / 21,3 / 30,1 / 24,3 / 22,4. Wir addieren diese Score Differentials also einfach und teilen das Ergebnis durch Acht. Daraus ergibt sich ein neuer Handicap-Index von 189,3 / 8 = 23,7.

Die äußeren Umstände der Runde können die Berechnung ebenfalls beeinflussen. Man spricht dann von der sog. Course Rating-Korrektur. Bei schlechten Witterungsverhältnissen ist der Course Rating Wert beispielsweise höher als unter normalen oder optimalen Platzvoraussetzungen. Aus diesen Aspekten ergibt sich ein sogenanntes "Playing Handicap" für den Spieler. Die Course Rating-Korrektur geht wie folgt in die Berechnung ein: